Bleidenbergtradition

Schon im Dorf zeigen die mit Fahnen und Maien geschmückten Häuser, daß in der Moselgemeinde Oberfell am Trinitatissonntag ein Feiertag begangen wird. Auf dem Weg zum Bleidenberg versammelt sich eine große Schar von Pilgern, um in feierlicher Prozession durch den Wald zur Dreifaltigkeitskirche zu ziehen. In andächtigem Gesang, Gott lobpreisend pilgern die Gläubigen aus Oberfell und den benachbarten Gemeinden, begleitet von der Musikkapelle „Mosella“, zu der kleinen Kirche hoch auf dem Berg.
1998 jährte sich zum 750. Mal der Wiederaufbau der Wallfahrtskirche auf dem Oberfeller Bleidenberg. Wie historische Quellen berichten, wurde die „Kapelle auf dem Bleidenberg durch den Trierer Erzbischof Arnold II. zur Ehre Gottes und der heiligen Jungfrau Maria im Jahr 1248 nach der Thuranter Fehde (1246–1248) erbaut und von ihm selbst geweiht. Nachweislich stand schon vor dieser Zeit eine frühromanische Marienkapelle, zu der Gläubige aus vielen Ländern pilgerten.


Prozession auf dem Weg zum Bleidenberg


Viele ehemalige Oberfeller nutzen die traditionelle Dreifaltigkeitsprozession für einen Besuch in der Heimat, denn oben auf dem Berg trifft man immer alte Bekannte. „Es ist so schön, wenn man mit der Prozession hier heraufzieht, die Bäume lichter werden und den Blick auf die Burg Thurant und das Moseltal freigeben“, erzählt ein Ehepaar, das anläßlich der 750-Jahr-Feier angereist ist. „Es ist wichtig, daß solche Traditionen lebendig bleiben, denn sie sind für uns Erinnerung an gute und schlechte Zeiten.“„Wir ziehen immer singend den Berg hinauf und meistens auch singend hinunter“, erzählt ein anderer Teilnehmer mit einem verschmitzten Lächeln.


Rund um die kleine Wallfahrtskirche sind an diesem Festtag immer Stände aufgestellt, die für das leibliche Wohl sorgen. Nach dem Gottesdienst verweilen die Gläubigen rund um das Gotteshaus, genießen den wunderschönen Blick über das Moseltal, die angebotenen Speisen und manchen Trunk gemeinsam mit Freunden, Bekannten und Gästen. Oft ist es spät und schon dunkel, wenn die Letzten sich mit einem Liedchen auf den Lippen auf den Rückweg durch den Wald machen. Jede Wallfahrt auf den Bleidenberg ist immer ein Fest für die Gemeinde.


Die neue Kirche sollte ein ewiges Denkmal sein für den Sieg und die Eroberung der dem Bleidenberg gegenüberliegenden Burg Thurant durch die Erzbischöfe von Trier und Köln. Den Bleidenberg wählte Arnold II. – so erzählt eine Legende –, weil während der Belagerung ein Soldat mittels eines Treibbalkens aus der Burg Thurant geschleudert wurde. Sein Burgherr verdächtigte ihn des Verrats und wollte ihn auf diese grausame Weise mit dem Tod bestrafen. Der Angeklagte rief jedoch vor Vollstreckung des Urteils die Gottesmutter um Beistand an und landete unverletzt in den Hecken auf dem Bleidenberg, genau an der Stelle, wo ehemals die Marienkapelle stand.Jahrhundertelang bildete die Wallfahrtskirche einen christlichen Mittelpunkt in der Region und übte trotz Verbots der Wallfahrten und der Schließung im Jahr 1903 im Zug der Säkularisierung eine ungebrochene Anziehungskraft aus, die sich bis heute gehalten hat. Auch in den beiden Weltkriegen war die Muttergottes auf dem Bleidenberg Zuflucht für viele Oberfeller in Not und Bedrängnis. Kriegsteilnehmer erzählten, daß sie eher auf den Weihnachtsurlaub als auf den Urlaub am Dreifaltigkeitssonntag verzichteten.
So zieht die Prozession auch wie in jedem Jahr feierlich auf den Berg, um in der Wallfahrtskirche gemeinsam den Gottesdienst zu feiern und ihre Anliegen zur Gottesmutter zu tragen.


Altarraum der Kirche


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