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Liederabend in der Bleidenbergkirche - 100 Jahre Hildegard Knef

Mondän, verrucht, geistreich: So fiel die Knef aus der Rolle. Sie war kein braves Hildchen und kein Mädel für den Heimatfilm. Sie wurde von der Schauspielerin zur Sängerin, von der Sängerin zur Schriftstellerin. Hildegard Knef folgte ihren Begabungen und machte vor, dass es auch in der Nachkriegszeit wichtigere weibliche Lebensfragen geben sollte als: Was soll ich anziehen? Was soll ich kochen?Inspiriert durch die poetisch-provokanten Lieder hat Christiane Florin zum 100. Geburtstag eine Hommage an die Knef geschrieben. Sie singt einige ihrer Chansons und erzählt aus ihrem Leben: von ihren Anfängen in der NS-Zeit und dem Skandal um die „Sünderin“, von ihren Triumphen und ihren Misserfolgen, von den roten Rosen und dem Stachel wider das Patriarchat. Sie erzählt von einer freien Frau, die in der biederen Bundesrepublik mit Esprit und Mut provozierte Der Erlös geht als Spende an die Beratungsstelle Leuchtzeichen des Vereins Umsteuern! Robin Sisterhood e.V. (Köln)

für Betroffene von sexualisierter Gewalt im kirchlichen

Kontext.

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Die Sage von der weißen Frau



6. Die Sage von der weißen Frau

Eine braungefleckte Waldeule sprang von ihrem Ast und sah sich nach Mäusen am Boden um, so wie sie es in jeder Nacht machte. Im blassen Mondschein schmolzen umherfliegende Schneeflocken zu schönen Mustern. Die Eule schlug ihre messerscharfen Krallen in ihre Beute, die sich nicht mehr wehren konnte. Sie hatte eine fette Maus gefangen. Die Eule flog nun zurück auf ihren Ast und verspeiste dort die Maus. Unten im Moseltal kam eine Gestalt den Weg hinauf. Zuerst sah man nur ein Leuchten, das schon bald die Gestalt einer wunderschönen Frau annahm. Alles an ihr war wunderschön, nur ihre Augen sahen böse und gefährlich aus. Ganz in der Nähe schluckte die Eule die letzten Bissen ihrer Mahlzeit hinunter und beobachtete aus ihren gelben Augen die Gestalt der Frau, die immer näher kam. Sobald die Frau die Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg sah, wurde sie wütend. Ihre Hände formte sie zu Fäusten und ihr schöner Mund verzog sich, sodass ihr vorher so schönes Gesicht eine Grimasse bildete. Traurig und wütend zugleich umrundete sie die Kirche. Weil sie so wütend war, schaute sie jeden Mauerstein mit bösen Blicken an, als hasste sie jede Hand, die beim Bau der Kirche mitgeholfen hatte. Als sie zum zweiten Mal die Kirche umrundete, schlug sie immer wieder ihre Hände in die Fugen der Mauer und riss Brocken sowie Putz aus der Wand, wobei ihre Finger ein lautes Schleifen und Kratzen hören ließen. Keuchend umrandete sie die Kirche zum dritten Mal, bis sie vor dem Kirchenportal stehen blieb. Ihre nackten Füße hatten Splitter aus den Treppenstufen geschlagen. Der Schnabel der Eule ließ ein paar Mäuseknochen knacken, bevor die Eule noch ein paar Fleischfetzen aus ihrer Beute zog, wobei das Blut ihren Schnabel rot färbte. Die Gestalt vor der Kirche ließ donnernd ihre Faust gegen das Kirchenportal krachen und schrie dabei so laut, dass die Tiere der Umgebung sich so sehr erschraken und fluchtartig den Bleidenberg verließen. Die Gestalt der weißen Frau schrie noch immer und schlug weiter mit Ihrer Faust gegen das hölzerne Portal der Kirche. Zitternd und polternd hielt das Holz der Türe aber allen Angriffen der weißen Frau stand. Es war ein ungeheurer Lärm als die Schreie und die Schläge der weißen Frau so sehr das Holzportal erzittern ließen. Doch all diese Geräusche wurden von niemandem mehr gehört, da ein heftiger Schneesturm und die umherfliegenden Schneeflocken wie eine dicke Decke über allen Geräuschen lagen. Als die weiße Frau merkte, dass all ihre Mühe umsonst gewesen war und Sie nicht in die Kirche eindringen konnte, um ihre Wut auszulassen, ging sie kurz darauf zurück ins Moseltal. Der Wind und der Schnee verwischten alle ihre Spuren und es war gerade so, als wäre sie nie auf dem Bleidenberg gewesen. Die Tiere der Umgebung kehrten noch in derselben Nacht zurück und auch die Eule jagte wieder Mäuse.

Wappen von Oberfell

Weinkönigin Athina I.